Singen – unser individueller Ausdruck

Noch nie hat mich etwas so spontan so tief berührt wie diese Stimme, zusammen mit den Worten und dem Klang der Gitarre. Worte, zu einer mir unbekannten Melodie, die ich zwar mit dem Kopf nicht verstanden habe, die jedoch tief in mir etwas zum Schwingen brachten und etwas angerührt und zum Leben erweckt haben, was sehr lang verschüttet war.

In diesem Moment liefen mir Tränen über die Wangen, so berührt war ich, und ich wünschte mir, der Gesang würde nicht mehr enden. Etwas war in mir erwacht, etwas an das sich meine Seele erinnerte, etwas Heiliges und Heilendes.

Dies geschah in einem Tages-Seminar der wunderbaren Sängerin und Klangheilerin, Dinah Arosa Marker, das ich spontan besuchte, und es brachte mich zurück auf meinen Herzensweg und zu meinem ganz individuellen Ausdruck in dieser Welt.

Ich habe als Kind schon gern und viel gesungen, sehr zum Leidwesen meiner älteren Schwester, die es einfach nicht hören wollte. Immer sollte ich still sein, aufhören zu singen, nicht nerven. Und wenn ich nicht aufhörte mit meinem fröhlichen Ausdruck, wandte sie sich mit Beschwerdeton an unsere Mutter. Spätestens dann musste ich wirklich still sein, weil der Streit ja aufhören sollte und es doch die einfachste Lösung wäre, wenn ich einfach still wäre und nicht singen und pfeifen würde.

Eine tiefe Prägung entstand dadurch in mir: Mein fröhliches Singen und Pfeifen nervt, es ist nicht schön, sondern zu laut, zu viel, nicht passend, sorgt für Ärger und wird einfach nicht gewünscht.

Ich hielt meinen Ausdruck zurück, übernahm die Bewertung, die von außen gekommen war als meine eigene.  Und nahm mir so selbst ein ganz wichtiges Stück von mir weg – meine Stimme, meinen ureigenen Beitrag in dieser Welt, meine Schwingung, meine gelebte Fröhlichkeit.   

Ich sang nur noch für mich selbst, wenn keiner in der Nähe war, aber nie mehr vollkommen frei und von Herzen wie vorher. Ein Teil von mir war verstummt.

So blieb von mir viel ungelebt, nicht ausgedrückt, zurückgehalten. Und ich verlor ich in den Jahren viel Kontakt zu wichtigen Teilen meines Selbst. 

Mit der Zeit wurde der Wunsch nach meinem ureigenen Ausdruck jedoch immer stärker und ich begegnete Dinah und ihrem Seminar.

Zu Beginn dieses Seminars sang Dinah für uns ein Mantra in Sanskrit, begleitet von ihrem wunderschönen Gitarrenspiel. Der Klang drang so plötzlich und tief in meine Seele ein, wie ich es mir hätte nie vorstellen können. Die Worte, die Melodie, die Stimme, die Schwingung weckten etwas tief in mir auf und brachten es zum Klingen. Das ganze Seminar und der Einsatz meiner Stimme wurde für mich zum Wunder. Jeder einzelne Klang und gesungene Ton wurde für mich zur Befreiung und meine Seele atmete tief durch. DAS war es, was ich all die Jahre vermisst hatte! DAS war der Ausdruck meines Selbst. DAS war ICH und was ich der Welt zu geben hatte. DAS war, was mein Herz und meine Seele zum Jubeln brachte. Dazu war ich auf diese Welt gekommen, um meine „Schwingung“ beizutragen zum großen Ganzen. 

Jedes Lebewesen hat seine ganz persönliche Schwingung, die zum großen Orchester des Universums gehört. Sie ist einzigartig und wenn sie nicht ausgedrückt wird, so fehlt sie für immer und das Konzert wird nicht vollständig sein. Wir sind aufgerufen, teilzunehmen, unseren Teil zu geben, unsere Individualität zu leben, authentisch und offen. So wie wir sind, so waren wir gewollt und unsere ureigene Schwingung ist immer richtig und gehört dazu.

Wir dürfen sicht- und hörbar werden in der Welt und uns freimachen von der Bewertung vom Außen. Das führt uns zu wahrer Größe und unterstützt uns dabei, unseren Platz in der Welt zu finden und auszufüllen.

Wenn wir von Herzen „klingen“, geben wir unterbewusst auch Anderen die Erlaubnis, dasselbe zu tun und sich in ihrer Individualität zu zeigen. Je mehr Menschen ihren eigenen Ausdruck immer stärker leben, um so heller und strahlender wird das Feld für uns alle. 

Das ist, was ich beim „heilsamen Singen“ so oft erlebe: Jeder gesungene Ton, jedes gesprochene Wort aus der Offenheit heraus ist heilsam, erinnernd und lösend, für den, der singt oder spricht und für den der empfängt.

Die ganze Welt ist Klang und Schwingung und durch beides kann so viel in Bewegung gebracht und gesund werden. Und das auf eine so natürliche und einfache Weise.

Ich empfehle es von ganzem Herzen, es auszuprobieren, seiner Stimme Ausdruck zu geben. Egal, welche Glaubenssätze da sind, ob „man singen kann“ oder nicht. Jeder kann singen, jeder besitzt seinen ganz individuellen Klang und alle klingen genau richtig. 

Und ich empfehle auch jedem, sich mal besingen zu lassen und diese Geborgenheit und Liebe wahrzunehmen, den Raum, der entsteht, wenn die ganze Umgebung schwingt und Blockaden sich dadurch sanft lösen. Wenn man erinnert wird an seinen ureigenen Klang und dieser sich öffnen darf und Raum bekommt. Es ist ein wunderbares und unvergleichliches Gefühl! 

heilsames Singen